11. Regionalkonferenz

16.11.2019, 09:30 – 17:00 Uhr

Die 11. Regionalkonferenz Rechtsextremismus & Demokratieförderung macht in diesem Jahr Station in Lauenburg, in der Albinus-Gemeinschaftsschule
Schulstraße 1, 21481 Lauenburg.
https://regionalkonferenz.wordpress.com/anfahrt/

Vielfältige Workshopangebote auf der Regionalkonferenz Rechtsextremismus & Demokratieförderung zu aktuellen Themen
© Regionalkonferenz Rechtsextremismus & Demokratieförderung 

Unter dem Motto „Lernen aus der Geschichte“, zu dem Dr. Constanze Jaiser, Projektleiterin „zeitlupe. Stadt.Geschichte&Erinnerung“ bei RAA Mecklenburg-Vorpommern e.V. einführend vortragen wird, hält die Regionalkonferenz wieder ein sehr aktuelles und thematisch breit gefächertes Workshopprogramm für erfahrene Multiplikator*innen, engagierte Aktive, aber auch erstmalig wissbegierige Interessierte bereit.

Workshop-Angebote

Workshop 1
Gender und Rechtsextremismus in der späten DDR

Referentin: Henrike Voigtländer

Obwohl die Staats- und Parteiführung der DDR immer wieder verkünden ließ, sie habe den „Hitler-Faschismus“ mit „Stumpf und Stiel“ überwunden, gab es Menschen, die öffentlich sichtbar Hakenkreuze schmierten, den Nationalsozialismus verherrlichten, andere Personen rassistisch und antisemitisch beleidigten oder tätlich angriffen sowie rechtsextreme Netzwerke bildeten. Auch Frauen vertraten autoritäre Einstellungen und oder nahmen wichtige Funktionen in der rechtsextremen Szene ein. Der Workshop untersucht, wie das Ministerium für Staatssicherheit und die Volkspolizei mit Frauen umgingen, die wegen rechtsextremem bzw. „faschistischem“ Verhaltens auffällig wurden. Anhand von Quellen untersuchen wir dabei mit intersektionaler Perspektive, welche Rolle die Kategorien Geschlecht und die soziale Herkunft in ihrer Bewertung spielten und versuchen, darüber Einblick in die Geschichte des Rechtsextremismus in der DDR zu gewinnen sowie Beobachtungen über die heutige Wahrnehmung von Rechtsextremismus herzuleiten.

Henrike Voigtländer
Nach einer Ausbildung im Kunsthandel studierte Henrike Voigtländer Kunstgeschichte, Geschichte und Global History an der Humboldt Universität, Freien Universität und Universiteit van Amsterdam. Gemeinsam mit der Amadeu Antonio Stiftung erarbeitete sie die Wanderausstellung „Rechtsextreme Frauen in der DDR der 1980er Jahre – im Blick von Ministerium für Staatssicherheit und Volkspolizei“. 2018 entwickelte Henrike Voigtländer den „Lernort Keibelstraße“ in Berlin mit. Seit 2016 promoviert sie am Leibniz Zentrum für Zeitgeschichte zum Thema „Geschlecht, Sexualität und Herrschaft im Betriebsleben der DDR“. Sie ist Stipendiatin der Hans-Böckler-Stiftung.

Workshop 2
Antisemitismus und neue rechte Bewegungen

Referent: Dr. Olaf Kistenmacher

Vor drei Jahren schien es selbst kritischen Beobachtern noch, als spielte Antisemitismus bei den neuen rechten Bewegungen und Parteien kaum eine Rolle. Die Alternative für Deutschland inszeniert sich bis heute als Partei, die Judenfeindschaft bekämpfen würde, und bei den „Patriotischen Europäern gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Pegida) sah man immer wieder Israel-Fähnchen. Allerdings machten mehrere Skandale deutlich, dass sich in der AfD völkische Antisemiten sammeln und die Partei ohne Antisemitismus nicht zu haben ist. Auch bei Pegida und ähnlichen Aufmärschen wurde in den letzten zwei Jahren offen gegen „Juden“ gehetzt. An Beispielen wie Chemnitz im Sommer 2018 oder der Hetze gegen George Soros wird der Workshop ausführen, wie im Weltbild der Neuen Rechten rassistische und antisemitische Vorstellungen verbunden sind und warum antisemitische Aussagen weniger auffallen. Schließlich werden pädagogische Methoden vorgestellt, die sich in der Bildungsarbeit gegen Antisemitismus bewährt haben.

Dr. Olaf Kistenmacher
Dr. Olaf Kistenmacher, Historiker, ist seit fast 20 Jahren in der Pädagogik gegen Antisemitismus tätig. Seine Broschüre Was tun gegen Antisemitismus?! Anregungen zu einer Pädagogik gegen Judenfeindschaft im 21. Jahrhundert erschien in mehreren Auflagen. Mit Hans-Joachim Hahn gab er in diesem Jahr den Sammelband Beschreibungsversuche der Judenfeindschaft II. Antisemitismus in Text und Bild – zwischen Kritik, Reflexion und Ambivalenz heraus.

Workshop 3
Rechter Terror –  das hat was mit mir zu tun?!

Referenten: Saskia Conradi und Daniela Kost
Regionales Beratungsteam gegen Rechtsextremismus Lübeck)

Rechter Terror scheint bei den Sicherheitsbehörden in Deutschland zunehmend ein Thema zu sein: In den vergangenen Jahren hat der Generalbundesanwalt in einer Vielzahl von Fällen Ermittlungen an sich genommen, um wegen des Verdachts auf rechten Terrorismus zu ermitteln. Gerichtsprozesse gegen Gruppen wie „Revolution Chemnitz“ oder die Kameradschaft „Aryans“ waren die Folge. Das ist nur die Spitze des Eisberges und nur eine Dimension rechten Terrors, die strafrechtliche. Doch ist es nicht die einzige.

In dem Workshop zu rechtem (Alltags-)Terror wollen wir einen Schwerpunkt auf die Perspektive derjenigen legen, die betroffen sind und angegriffen oder bedroht werden, ohne dass strafrechtliche Maßnahmen dies immer berücksichtigen. Gemeinsam wollen wir herausarbeiten, woran es liegen könnte, dass diese Perspektiven so wenig Gehör finden und welche strukturellen Gründe hinter der fehlenden Strafverfolgung liegen könnten. Ebenfalls werden wir uns damit beschäftigen, auf welche Weise rechter Terror von der Mehrheitsgesellschaft (nicht) wahrgenommen wird und an welchen Stellen diese (unbewusst) zu ihm beiträgt. Neben diesen Analyseaspekten werden wir der Frage nachgehen, welche Handlungsmöglichkeiten auf individueller Ebene denkbar sind.

Workshop 4
Zwischen Verfassungseid und rechtem Korpsgeist – waffentragende Organisationen in der Bundesrepublik im Fadenkreuz militanter Neonazis
Schwerpunkt: Bundeswehr und Reservistenverband

Die Investigativjournalisten Martin Kaul und Daniel Schulz von der Tageszeitung (taz) im Gespräch mit Dr. Trepsdorf (RAA-Regionalzentrum für demokratische Kultur Westmecklenburg)

Die aktuellen Recherchen einschlägiger Medien rund um den Verein Uniter e.V. (Netzwerk ehemaliger und auch aktiver Angehöriger von Sicherheitskräften und BW-Reservisten) sowie einem dubiosen Netzwerk-Administrator mit dem Alias „Hannibal“ (KSK-Hauptfeldwebel André S.), warfen viele Fragen auf. Zudem kam es im Norden anscheinend zu Verflechtungen zwischen den Akteuren waffenaffiner Preppergruppen („Nordkreuz“) und einzelnen Mitgliedern von Polizei, Anwaltschaft und Reservistenverband. Auch der Vorgesetzte von Michèle Kiesewetter, der Polizistin, die in Heilbronn Opfer des NSU-Terrors wurde, Ringo M., war Mitbegründer von Uniter. Die Dienstwaffen der beiden Polizisten wurden im November 2011 im Wohnmobil der NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos in Eisenach gefunden. Ringo M. wurde daraufhin vom NSU-Untersuchungs-ausschuss des thüringischen Landtags als Zeuge vernommen. Handelt es sich hierbei lediglich um Zufälle und kontingente Entwicklungen? — Tatsache ist, dass die dominierende Binnenlogik waffentragender Organisationen wie Korpsgeist, unerschütterliches Überlegenheits- und Elitebewusstsein, eingeschränkte Reflexionsfähigkeit („Filterbunker“), der Primärfokus auf Formen gewalttätiger Auseinandersetzung, straffe Hierarchien, eine unkritische Binnensolidarität („Command and Obedience“ / „Kadavergehorsam“), fehlende Empathie sowie die strikte Abgrenzung nach Außen und ein autoritäres Staatsverständnis im Kontext der Bildung solcher Gruppen potentiell zuträglich sind. Gleichzeitig bedeutet dies nicht, dass dies stets und zwangsläufig für alle Mitglieder von BW-Reservistenverbänden als solche zu konstatieren ist. Nichtsdestoweniger gilt es, solcherlei potenziell fatale Zusammenhänge und Entwicklungen im Auge zu behalten, wenn es um die Weiterentwicklung und innerorganisationale Verbreitung demokratischer, menschenrechtsorientierter und zivilgesellschaftlicher Werte geht.

Workshop 5
„Erstarkender Rechtspopulismus in den Parlamenten … der Kommunen, der Länder, des Bundes und in Europa“

Referent: Prof. Dr. Jochen Müller, Universität Greifswald

Nicht erst mit den diesjährigen Europawahlen und Kommunalwahlen in Mecklenburg-Vorpommern sind Rechtspopulist*innen in Parlamente eingezogen. Eine Veränderung der parlamentarischen Zusammensetzung mit rechtspopulistischen bis rechtsextremen Anteilen ist seit Längerem in den Kommunen, Ländern, im Bund und auch international zu beobachten. Der Workshop beleuchtet, wieweit der Einzug von Rechtspopulist*innen und Rechtsextremist*innen die parlamentarische Arbeit und das politische Klima verändert, in der Diskussionskultur, in der Öffentlichkeitsarbeit, in der Gremienarbeit, aber auch außerparlamentarisch in den Wahlkreisen der Mandatsträger*innen. Wissenschaftliche Einblicke in Strategien und Interaktionsmuster von Rechtspopulist*innen geben Aufschlüsse über die zunehmenden Herausforderungen in den Parlamenten. Anhand dieser Erkenntnisse entwickeln wir gemeinsam wirksame Strategien für demokratische Kräfte insbesondere aus kommunalpolitischen Kreisen und für zivilgesellschaftliche Akteurinnen und Akteure vor Ort, wenn das vielfach geforderte, deutliche Eintreten für unsere Grundrechte angebracht ist.

Prof. Dr. Jochen Müller
Nach dem Studium an der Universität Konstanz promovierte Prof. Dr. Müller 2013 an der Universität Potsdam. Nach Tätigkeiten in Oldenburg, Mannheim und an der University of Essex (Großbritannien) hat er seit 2015 die Juniorprofessur für Politische Soziologie an der Universität Greifswald inne. Im Zentrum seiner Forschung stehen verschiedene Kernfragen demokratischer Repräsentation in der Bundesrepublik. Aktuell leitet er gemeinsam mit drei Kollegen das Projekt „Die populistische Herausforderung in den Parlamenten“. Ziel ist es, auf Basis umfangreicher Daten zum Verhalten von Abgeordneten und Fraktionen, die Erfolgsbedingungen der AfD zu analysieren und zu verstehen, wie die Partei den demokratischen Wettbewerb verändert.

Jugendworkshop
„CYBER RIGHT!“ – Social Media Training

(für Jugendliche und Jungerwachsene bis 21 Jahre
Referent: Ercan Kök 

Das Social Media Training  „CyberRight!“ – ‚Bewusster Umgang mit sozialen Medien – Cybermobbing, Hate Speech und Fake News erkennen und begegnen‘ ist ein modulares Trainingsangebot für Schulen und Jugendeinrichtungen in der Region, das den bewussten Umgang mit sozialen Medien befördern möchte. Schwerpunktmodule bilden Cybermobbing und Menschenrechte, Nutzung sozialer Medien, Hate Speech und Fake News. Dabei vermittelt es demokratische Lebenseinstellungen, Toleranzkompetenz und zivilcouragiertes Handeln. Es besteht aus drei Modulschwerpunkten:

Das Modul „Cybermobbing und Menschenrechte“ bearbeitet den respektvollen und demokratischen Umgang im Netz. Dies beinhaltet auch das Phänomen der Diskriminerung mit all ihren Formen, Ursachen und Auswirkungen. Hierzu wird ein gemeinsames Verständnis von Toleranz und Diskriminerung erarbeitet, um daraufhin gemeinsam in Praxisübungen Kompetenzen zur Bewältigung von Cybermobbing zu erwerben.

Im Modul „Nutzung sozialer Medien“ erlernen die Teilnehmer*Innen ein Bewusstsein darüber, welche Spuren sie im Netz hinterlassen und reflektieren ihre Nutzung von Apps und Sozialmedien Diensten. Hierzu wird ermittelt welche Dienste im Alltag genutzt werden und wie diese mit unseren vertraulichen Daten umgehen. Im Anschluss wird aufgezeigt, wie bewussterer Umgang mit diesen gestaltet werden kann.

Das „Modul Hate Speech und Fake News“ thematisiert den Umgang mit der Manipulationsmacht von Falschmeldungen und organisierter demokratiefeindlicher Hetze im Netz. Hierbei erlernen die Teilnehmer*Innen Strategien, um Fake News zu erkennen und Hetze zu begegnen. Hierzu werden Beispiele aus dem Netz gemeinsam analysiert, um daraufhin die erlernten Kompetenzen direkt anzuwenden.

Ercan Kök
Ercan Kök ist ausgebildeter Sozialarbeiter B.A. und Sozialkompetenzen-Trainer und seit vielen Jahren mit seinem „Toleranztraining“ und dem „mobilen demokratietheater“ des Vereins Miteinander leben e.V. an Schulen und Jugendeinrichtungen in Schleswig-Holstein unterwegs.

Begleitausstellung zur Konferenz
„Einge waren Nachbarn – Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand“

Das UNITED STATES HOLOCAUST MEMORIAL MUSEUM in Washington/DC hat diese Ausstellung konzipiert und stellt sie der 11. Regionalkonferenz als Begleitausstellung zur Verfügung. Die Fragen nach Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand sind bedeutsame Fragen, um zu verstehen wie der Holocaust möglich war. Die zentrale Rolle von Hitler und anderen Führern der NSDAP ist unbestritten. Die Ausstellung EINIGE WAREN NACHBARN untersucht im Besonderen die Rolle der gewöhnlichen Menschen im Holocaust und die Vielzahl von Motiven und Spannungen, die die individuellen Handlungsoptionen beeinflussten, wie Angst, Gleichgültigkeit, Antisemitismus, Karriereverlust, Ansehen in der Gemeinschaft, Gruppenzwang oder Chancen auf materiellen Gewinn. Die Ausstellung zeigt aber auch Personen, die den Möglichkeiten und Versuchungen, ihre Mitmenschen zu verraten, nicht nachgegeben haben und macht deutlich, dass es auch Alternativen zu Mitläufertum und Täterschaft gab.

Weitere Informationen zum Museum und zur Ausstellung unter www.ushmm.org.

Anmeldung

Hier können Sie sich online zur 11. Regionalkonferenz Rechtsextremismus & Demokratieförderung am 16.11.2019 in Lauenburg anmelden. Der Link führt sie zur Seite des Kreisjugendringes Herzogtum Laueburg, der uns bei der Anmeldung mit seinem Buchungssystem dankeswerterweise unterstützt:
https://kjr-herzogtum-lauenburg.de/seminar-post/11-regionalkonferenz-rechtsextremismus-demokratiefoerderung-lernen-aus-der-geschichte/

Datenschutzerklärung des Kreisjugendringes Herzogtum Lauenburg: https://kjr-herzogtum-lauenburg.de/datenschutz-anmeldung/

Hinweis des Veranstalters

Die Teilnahme an der Regionalkonferenz ist nur auf Einladung möglich. Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen. Ist ein solcher Ausschluss bereits in der Einladung erfolgt, kann die Veranstaltungsleitung die ausgeschlossenen Personen daran hindern, an der Veranstaltung teilzunehmen. Wollen sie den Veranstaltungsort dennoch betreten, kann die Veranstaltungsleitung mit Hilfe der Polizei die unerwünschten Personen vom Veranstaltungsort entfernen lassen.